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Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

Landesverband Bayern
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Beispiele zu unserer online-Petition:

 
Öffnung der Künstlersozialversicherung für selbständige Lehrkräfte

Die GEW Bayern fordert für Selbständige in der Bildung die Aufnahme in die Künstlersozialversicherung. Mit einem Musterbeispiel zeigen wir hier, wie sich das auswirken würde. Als Beispiel dient eine Dozentin mit 20 Euro Stundenhonorar (Mindestsatz für Integrationskurse) und 920 Unterrichtsstunden im Jahr (entspricht der Arbeitszeit an bayerischen Gymnasien in Vollzeit).  Wir gehen von 200 Euro monatlichen Betriebsausgaben aus, darunter fallen z.B. Fahrtkosten, Fortbildungen und  Arbeitsmittel, die Selbständige anders als Beschäftigte selbst bezahlen müssen.

Bisherige Regelung
(alle Angaben Stand November 2015):



Allgemeine Regelung

Kranken-/Pflegeversicherung ermäßigt

Honorar monatlich
(920*20/12)

1.533,00 ¤

1.533,00 ¤

Abzgl. 200 ¤ Betriebsausgaben

1.333,00 ¤

1.333,00 ¤

15,5 % Krankenversicherung (versichert mit Krankengeld und Zusatzbeitrag 0,9 %)

(fiktives Mindesteink. 2.126,25 ¤)

329,57 ¤

(fiktives Mindesteink. 1.417,50 ¤)

219,71 ¤

2,6 % Pflegeversicherung

55,28 ¤

36,85 ¤

18,7 % Rentenversicherung

249,27 ¤

249,27 ¤

Einkommen vor Steuern

698,88 ¤

827,17 ¤

mit freiwilliger Arbeitslosenversicherung: 85,05 ¤
85,05 ¤
RV-Beitrag ermäßigt sich um:
15,90 ¤
15,90

Einkommen vor Steuern bei AlV

629,73 ¤

758,02 ¤

Erläuterungen:

Krankenversicherung: der Beitrag für Selbständige wird mindestens aus einem fiktiven Einkommen errechnet, auch wenn das tatsächliche Einkommen geringer ist. Der ermäßigte Betrag aus 1.417,50 Euro gilt nur auf Antrag, dabei spielen auch das Einkommen des Partners, die Zahl der Kinder und das Vermögen (ähnlich wie bei "Hartz IV") eine Rolle. Der Antrag muss bei der Krankenkasse mit Nachweisen gestellt werden und gilt erst ab dem Folgemonat, nicht rückwirkend.
 
Pflegeversicherung: hier gilt das fiktive Mindesteinkommen ebenso. Angenommen ist der Beitragssatz für kinderlose Versicherte. Ermäßigung wie bei KV.

Rentenversicherung: Für selbständige Lehrer*innen Pflicht, Beitrag im Beispiel aus dem tatsächlichen Einkommen (Betriebseinnahmen abzüglich Betriebsausgaben).

Arbeitslosenversicherung
: für Selbständige freiwillig und nur möglich, wenn unmittelbar vorher Arbeitnehmer oder Arbeitsloser, Beitrag pauschal festgelegt, gilt als Betriebsausgabe und verringert deshalb den RV-Beitrag.

Mit Künstlersozialversicherung:

Bei der Künstlersozialversicherung (die zusätzlich für Publizisten gilt) wird der Beitrag auch zur Kranken- und Pflegeversicherung ohne fiktives Mindeseinkommen berechnet. Die Beitragssätze zur RV, KV und PV trägt der Versicherte wie ein Arbeitnehmer nur zur Hälfte (den Zusatzbeitrag der Krankenkassen und den Beitragszuschlag für Kinderlose in der Pflegeversicherung aber voll). Der Restbetrag wird durch eine Umlage der Auftraggeber und einen Bundeszuschuss finanziert.

Für Dozent/innen und Lehrbeauftragte ergäbe sich daraus bei den Daten wie oben:


Honorar monatlich

1.533,00 ¤

Abzgl. 200 ¤ Betriebsausgaben

1.333,00 ¤

8,2 % KV-Beitrag (mit Krankengeld, Zusatzbeitrag 0,9 %)

109,31 ¤

1,425 % Pflegeversicherung

19,00 ¤

9,35 % Rentenversicherung

124,64 ¤

Einkommen vor Steuern

1.080,05 ¤

Beitrag frw. Arbeitslosenversicherung
85,05 ¤
Beiträge RV/KV/PV ermäßigen sich um:
16,14 ¤
Einkommen vor Steuern bei AlV
1.011,14 ¤

Die „Verwerter“, in diesem Bereich wären das Weiterbildungseinrichtungen und Hochschulen, zahlen eine Umlage von nur 5,2 % der Bruttohonorare, das wären bei einem Honorarsatz von 20 Euro weitere 1,04 Euro.

Bei einem Einkommen vor Steuern von 827,17 Euro (bisherige Regelung, ohne Arbeitslosenversicherung, Beitrag KV/PV ermäßigt) müssen öffentliche Kassen in vielen Fällen (je nach Familiengröße und Wohnkosten) noch ergänzende Sozialleistungen wie Wohngeld oder Arbeitslosengeld II bezahlen. Bei dem höheren Netto-Einkommen von 1.080,05 Euro in der Künstlersozialversicherung würde dies wegfallen oder geringer werden. Der Bundeszuschuss zur KSV von etwa 15 Euro monatlich je Versichertem (Angaben der KSK) würde wahrscheinlich schon dadurch kompensiert. Die Kranken- und Pflegeversicherung hätten tatsächlich geringere Beitragseinnahmen, wenn das fiktive Mindesteinkommen entfällt - das entspricht aber wie bei Arbeitnehmer*innen dem Solidarprinzip, nach dem Geringverdienende auch nur geringere Beiträge leisten müssen.


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